Leseprobe aus dem Vorwort

Ich schaue ständig auf mein Handy und rege mich furchtbar auf dabei. Der Dorfplatz für ­Marktschreier war früher überschaubar, jetzt umfasst er die ganze Welt. „Wie bleibe ich selbst über 30 sexy?“, fragt eine App-Werbung auf Insta, „10kg abnehmen in einer Woche mit Nahrungsergänzungsmittel xy“, „Welcher Trauma-in-der-Kindheit-Typ sind Sie – und wie nehmen Sie am besten ab???“ Erziehung, Ernährung, Self-Improvement, Fitness, selbst ­unsere intimsten Beziehungen müssen ständig einem Regime unterworfen und optimiert werden. Die permanente Konfrontation mit perfektionierten Bildern in den Medien und der Popkultur macht etwas mit uns, und wie man es dreht und wendet, irgendwo hinken wir scheinbar immer hinterher und tappen von einer Falle in die nächste. […]

[…] Eine Frage, die ich mir beim Schreiben dieses Buches gestellt habe, ist: warum sind wir so hart zu uns selbst und so nachsichtig anderen gegenüber? Drehen wir den Spieß doch einfach um, seien wir öfter nachsichtig uns selbst gegenüber und hie und da ein wenig tougher bei anderen, egal in welcher Lebensphase und in welchem Alter. Jetzt ist die beste Zeit dafür.

Leseprobe aus „Ich bin Viele“

Wie war ich Schatz – darf man diese Frage im Schlafzimmer stellen? Nur, wenn man die Wände gerade in Rekordzeit neu gestrichen hat, meinen Sie? Man darf nicht nur, man soll. Warum? Weil es unsere intimsten Beziehungen einfach schöner macht.

Es gibt so viele Dinge, auf die man keine in Stein gemeißelte Antwort hat: warum man sich eine Brotbackmaschine kauft und nur dreimal Brot damit backt; warum man die Dame an der Kassa nicht haut, wenn sie fragt: JÖ-Karte hamsieeee, oder wieso man mit Kleinkindern auf Urlaub fährt. Und: wie man im Bett ist.

Man weiß vor allem eines: man hat die verdammte Pflicht, das Maximum erstens überall und zweitens besonders zwischen den Bettlaken herauszuholen. Aber schafft man das auch? Ist doch egal, hört man dann die guten Ratschläge wie das vielstimmige Echo über den Vierwaldstättersee hallen, Hauptsache, man genießt, genießt, genießt! Ok, genießen. Abgehakt. […]

Leseprobe aus „Der Elchtest“

Wir Frauen schleppen eine unsichtbare Last mit uns herum: sie heißt Mental Load. Ständig sind wir als wandelnder Wunderwuzzi in gedanklicher Habtacht-Stellung und ­liefern auf alle Probleme und Fragen eine Antwort. Auf alle? Hier lesen Sie, wie ein Elchtest manchmal aussehen kann.

Seit dem allerersten Kindergeburtstag für Sohn Nr.1 leide ich unter einer schweren Luftballonaufblasphobie. Ja, das ist ein Comingout: Luftballons aufblasen geht mir so auf die Nerven, dass ich ganz wuselig werde und wildfremde Menschen anpöbeln möchte. Kein Wunder also, dass ich mich wie in der Muppet-Show fühle, als mir Sohn Nr. 2, acht Jahre alt, ein durchsichtiges Gummiding vor die Nase hält. (Und ich grad mit der Weltformel beschäftigt und die so gut wie serienreif! Manno.) In demselben Tonfall wie die Dementoren in der Bim Fahrscheinkontrolläää röcheln, verlangt er von mir Aufblasäään.
So. Das ist aber jetzt ganz, ganz blöd.

Weil der Luftballon ein Kondom ist. „Der riecht nach Erdbeeren! Kann ich noch einen holen? Vielleicht finde ich einen der nach Banane riecht!“, ­jubelt Sohn Nr. 2 und findet, den könnte man dann ja auch mit der Zungenspitze in die Luft befördern und ich soll doch bitte mal erklären, was der ­komische Zipfel dran solle und wieso das Ding so glitschig sei.

Jetzt Google-Maps für überforderte Mütter. Schnell. Das soll mich bittebitte durch diese Situation manövrieren, denn sie ist voller Schlaglöcher und eines ist tiefer als das andere. Ich wähle die im Schach sehr beliebte katalanische Eröffnung und gehe aufs Klo. […]